Der Weg zu mir.

Hedwigstraße 7, 80636 München 0173 5691762 georg „Klammeraffe“ georglichtenegger.de www.georglichtenegger.de

Das Copyright aller Fotos dieser Seite liegt bei pixabay.

ODER: WESHALB MITTLERWEILE 30 SEKUNDEN GENÜGEN, UM IHRE

ZUSCHAUER ZU VERLIEREN.

Dass wir in Zeiten des digitalen Umbruchs leben, pfeifen die Spatzen landauf und landab von allen Dächern.

Auch die Eventbranche spürt, dass sich vieles ändert – oft werden allerdings nur technische Neuerungen in

den Betrachtungsfokus genommen.

An dieser Stelle soll einmal genauer untersucht werden, wie sich die Wahrnehmungsgewohnheiten der

Menschen im digitalen Umfeld verändern. Denn die technischen Entwicklungen entscheiden auch über unser

Wahrnehmungsverhalten bzw. sogar über die uns angebotenen Inhalte. So nimmt beispielsweise die

Plattform Spotify mittlerweile erheblichen Einfluss auf das Verhalten von Komponisten. Da der Streaming-

Dienst abgespielte Songs erst ab 30 Sekunden zählt, diese Zählung aber für Musiker und Plattenlabes äußerst

relevant ist, komponieren nun viele auf diese 30 Sekunden-Schwelle hin und möchten so erreichen, dass die

umworbenen Zuhörer – wenn überhaupt – frühestens danach weiterskippen. So zählt Spotify die Wiedergabe

des Liedes und dieses steigt in allerlei Rankings, die wiederum für den Erfolg der Macher entscheidend sind.

Was haben diese 30 Sekunden nun aber mit einem Event zu tun? Nun, aus der Wahrnehmungsperspektive

der Zuhöhrer bzw. Zuschschauer ist ein Popsong (wie auch ein Film, ein Theaterstück, ein Konzert oder auch

ein Buch) ein Medium, das man über einen bestimmten Zeitverlauf wahrnimmt. Ein Element folgt auf das

andere, man kann auch sagen, die Elemente „laufen linear ab“. Ein Gegenbeispiel eines nicht-linearen

Mediums ist ein Bild: Hier bietet sich dem Betrachter alles auf einmal und er kann selbst entscheiden,

welchem Detail er sich wann zuwendet.

Was lineare Medien und so auch Events angeht, gibt es nun eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute

ist: Noch wurde keine App erfunden, mit der ein gelangweilter Zuschauer einen Akteur von der Bühne skippen

könnte. Die schlechte Nachricht ist jedoch: Bei einem Event reicht es, wenn der Zuschauer im Kopf

weiterskippt und gedanklich abschweift, um den Kommunikationserfolg zunichte zu machen. Was man ihm

nach seinem innerlichen Weiterskippen zuwirft, wird ihn nicht mehr erreichen, da seine Aufmerksamkeit nicht

auf den Absender gerichtet ist.

Nun lässt sich beobachten, dass im digitalen Zeitalter aufgrund der vielfältigen Verfügbarkeit immer

detaillierter durchdachten Medien, die Zuschauer immer schneller weiterskippen. Nicht nur die Komponisten

auf Spotify reagieren auf diesen Umstand. Auch professionell erstellte Videos in Social Media Kanälen

versuchen, besonders energiegeladen und vielversprechend zu beginnen, um ihre Zuschauer möglichst

lange zu fesseln. Was soll man als Eventkonzeptioner daraus folgern? Etwa künftig auch laut schreiend seine

Veranstaltung zu beginnen – „GUTEN ABEND MEINE SEHR VEREHRTEN DAMEN UND HEEERRREEEEN!!!“?!?

Wohl eher nicht…

Betrachtet man genauer, worauf die Konzeptioner der Medien etwa für Spotify oder YouTube abzielen, dann

fällt auf, dass diese beim Zuschauer vor allem Spannung wecken wollen. Sie wollen ihn neugierig machen auf

das, was nach den für sie entscheidenden 30 Sekunden kommt. Sie versuchen zu erreichen, dass der

Zuschauer ihnen möglichst lange folgt. Dieses „gespannte Folgen“ des Zuschauers wird klarer, wenn man sich

mit Drehbuch- oder Theatertheorie beschäftigt: Ein Film ist ein ausgeklügeltes Werk, in dem ein Ereignis auf

das andere (ab)folgt. Aus dieser Abfolge entsteht ein Spannungsbogen und somit eine fesselnde Geschichte.

Denken Sie an einen guten Thriller: Wenn Sie ihn sehen, bekommen Sie da einen Impuls zum weiterskippen?

Nein, der ausgefeilte Spannungsbogen hält sie gespannt und „zieht“ sie vom Anfang bis zum Ende durch den

Film. Auf jeweils eigene Weise funktioniert das auch bei anderen guten Filmgenres. Und bei den wirklich

guten Filmen sogar beim wiederholten Ansehen.

Geht es also darum, eine erfolgreiche Veranstaltung zu konzipieren und alle gewünschten Emotionen und

Informationen zu kommunizieren, ist es essenziell, dass beim Betrachter keine Impulse zum Weiterskippen im

Kopf aufkommen. Diese sind wiederum ausgeschlossen, solange der Zuschauer „gespannt“ bleibt. Gespannt

ist ein Zuschauer, wenn er darauf wartet, dass etwas Bestimmtes passiert oder entschieden wird.

Um dieses gespannte Interesse zu erreichen, müssen zwei Faktoren gegeben sein: Erstens muss man Zugang

zum Gebotenen finden, man muss also „gespannt“ werden. Das ist der Zeitpunkt, wenn man dem

Spannungsbogen zum ersten Mal folgt. Dazu muss für den Zuschauer etwas unklar werden, an dessen

Klärung er interessiert ist. Oder ein Konflikt wird dargelegt, und man bleibt so lange gespannt, bis sich dieser

wieder auflöst.

Ungeklärtes oder Konflikte eignen sich also sehr gut, um die Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten.

Es muss aber nicht unbedingt von Anfang bis Ende der gleiche Konflikt sein. Diese können sich abwechseln.

Empfehlenswert ist nur, dass die Lösung eines Konflikts jeweils den neuen Konflikt oder das neue Ungeklärte

auslöst.

Besonderes Augenmerk sollten Sie auf das erstmalige Gespanntwerden Ihrer Zuschauer legen – sowie auf

die letzte Auflösung eines Konflikts oder Geheimnisses.  (Da man natürlich die Zuschauer über die gesamte

Dauer der Veranstaltung in Spannung versetzen möchte, ist das der Anfang und das Ende des Events.) Wenn

man mit Unklarheit, die es zu klären gilt, arbeiten möchte, dann funktioniert das nur, wenn diese Klärung für

den Betrachter auch interessant ist. Mit anderen Worten: wenn es für ihn um etwas geht. Falls sich dieses

Etwas erst in der Zukunft realisieren wird, dann ist es auch von Bedeutung, mit welcher Stimmung der Event

zu Ende geht – und eben diese Zukunft beginnt.

Natürlich ist der dramaturgische Spannungsbogen keine Erfindung des digitalen Zeitalters. Wir kennen ihn im

Grunde seit Aristoteles, und der hat ihn nicht erfunden, sondern nur analytisch beschrieben. Und auch bei

Corporate Events ist eine wohldurchdachte Dramaturgie mit Sicherheit kein Novum. Neu ist aber, wie

verwöhnt die Zuschauer heute in Zeiten der ständigen Verfügbarkeit extrem ausgefeilter linearer Medien sind.

Das macht es nicht grade leichter, die Teilnehmer in Spannung zu versetzen.

Darin liegt allerdings auch eine Chance: Wem es mit den richtigen Mitteln gelingt, für sein Business Event

wirkungsvolle Spannungsbögen und Energiekurven zu konzipieren und umzusetzen, der wird aus der Masse

herausstechen – und ein Feedback bekommen, auf das viele andere vergeblich warten. Denn zum einen

ersetzt für die Deutschen der virtuelle noch lange nicht den persönlichen Kontakt. Und zum anderen schaffen

gute Veranstaltungen auch das mitunter authentischste Videomaterial für eine digitale Auswertung. Wie das

geht, kann man sich – besonders gelungen – bei Steve Jobs abschauen oder auch bei vielen TED-

Konferenzen.

Der Weg zu mir.

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ODER: WESHALB MITTLERWEILE 30

SEKUNDEN GENÜGEN, UM IHRE

ZUSCHAUER ZU VERLIEREN.

Dass wir in Zeiten des digitalen Umbruchs leben, pfeifen die

Spatzen landauf und landab von allen Dächern. Auch die

Eventbranche spürt, dass sich vieles ändert – oft werden

allerdings nur technische Neuerungen in den Betrachtungsfokus

genommen.

An dieser Stelle soll einmal genauer untersucht werden, wie sich

die Wahrnehmungsgewohnheiten der Menschen im digitalen

Umfeld verändern. Denn die technischen Entwicklungen

entscheiden auch über unser Wahrnehmungsverhalten bzw.

sogar über die uns angebotenen Inhalte. So nimmt

beispielsweise die Plattform Spotify mittlerweile erheblichen

Einfluss auf das Verhalten von Komponisten. Da der Streaming-

Dienst abgespielte Songs erst ab 30 Sekunden zählt, diese

Zählung aber für Musiker und Plattenlabes äußerst relevant ist,

komponieren nun viele auf diese 30 Sekunden-Schwelle hin und

möchten so erreichen, dass die umworbenen Zuhörer – wenn

überhaupt – frühestens danach weiterskippen. So zählt Spotify

die Wiedergabe des Liedes und dieses steigt in allerlei Rankings,

die wiederum für den Erfolg der Macher entscheidend sind.

Was haben diese 30 Sekunden nun aber mit einem Event zu tun?

Nun, aus der Wahrnehmungsperspektive der Zuhöhrer bzw.

Zuschschauer ist ein Popsong (wie auch ein Film, ein

Theaterstück, ein Konzert oder auch ein Buch) ein Medium, das

man über einen bestimmten Zeitverlauf wahrnimmt. Ein Element

folgt auf das andere, man kann auch sagen, die Elemente „laufen

linear ab“. Ein Gegenbeispiel eines nicht-linearen Mediums ist ein

Bild: Hier bietet sich dem Betrachter alles auf einmal und er kann

selbst entscheiden, welchem Detail er sich wann zuwendet.

Was lineare Medien und so auch Events angeht, gibt es nun eine

gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist: Noch wurde

keine App erfunden, mit der ein gelangweilter Zuschauer einen

Akteur von der Bühne skippen könnte. Die schlechte Nachricht ist

jedoch: Bei einem Event reicht es, wenn der Zuschauer im Kopf

weiterskippt und gedanklich abschweift, um den

Kommunikationserfolg zunichte zu machen. Was man ihm nach

seinem innerlichen Weiterskippen zuwirft, wird ihn nicht mehr

erreichen, da seine Aufmerksamkeit nicht auf den Absender

gerichtet ist.

Nun lässt sich beobachten, dass im digitalen Zeitalter aufgrund

der vielfältigen Verfügbarkeit immer detaillierter durchdachten

Medien, die Zuschauer immer schneller weiterskippen. Nicht nur

die Komponisten auf Spotify reagieren auf diesen Umstand. Auch

professionell erstellte Videos in Social Media Kanälen versuchen,

besonders energiegeladen und vielversprechend zu beginnen,

um ihre Zuschauer möglichst lange zu fesseln. Was soll man als

Eventkonzeptioner daraus folgern? Etwa künftig auch laut

schreiend seine Veranstaltung zu beginnen – „GUTEN ABEND

MEINE SEHR VEREHRTEN DAMEN UND HEEERRREEEEN!!!“?!?

Wohl eher nicht…

Betrachtet man genauer, worauf die Konzeptioner der Medien

etwa für Spotify oder YouTube abzielen, dann fällt auf, dass diese

beim Zuschauer vor allem Spannung wecken wollen. Sie wollen

ihn neugierig machen auf das, was nach den für sie

entscheidenden 30 Sekunden kommt. Sie versuchen zu

erreichen, dass der Zuschauer ihnen möglichst lange folgt.

Dieses „gespannte Folgen“ des Zuschauers wird klarer, wenn

man sich mit Drehbuch- oder Theatertheorie beschäftigt: Ein Film

ist ein ausgeklügeltes Werk, in dem ein Ereignis auf das andere

(ab)folgt. Aus dieser Abfolge entsteht ein Spannungsbogen und

somit eine fesselnde Geschichte. Denken Sie an einen guten

Thriller: Wenn Sie ihn sehen, bekommen Sie da einen Impuls zum

weiterskippen? Nein, der ausgefeilte Spannungsbogen hält sie

gespannt und „zieht“ sie vom Anfang bis zum Ende durch den

Film. Auf jeweils eigene Weise funktioniert das auch bei anderen

guten Filmgenres. Und bei den wirklich guten Filmen sogar beim

wiederholten Ansehen.

Geht es also darum, eine erfolgreiche Veranstaltung zu

konzipieren und alle gewünschten Emotionen und Informationen

zu kommunizieren, ist es essenziell, dass beim Betrachter keine

Impulse zum Weiterskippen im Kopf aufkommen. Diese sind

wiederum ausgeschlossen, solange der Zuschauer „gespannt“

bleibt. Gespannt ist ein Zuschauer, wenn er darauf wartet, dass

etwas Bestimmtes passiert oder entschieden wird.

Um dieses gespannte Interesse zu erreichen, müssen zwei

Faktoren gegeben sein: Erstens muss man Zugang zum

Gebotenen finden, man muss also „gespannt“ werden. Das ist der

Zeitpunkt, wenn man dem Spannungsbogen zum ersten Mal

folgt. Dazu muss für den Zuschauer etwas unklar werden, an

dessen Klärung er interessiert ist. Oder ein Konflikt wird

dargelegt, und man bleibt so lange gespannt, bis sich dieser

wieder auflöst.

Ungeklärtes oder Konflikte eignen sich also sehr gut, um die

Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Es muss aber

nicht unbedingt von Anfang bis Ende der gleiche Konflikt sein.

Diese können sich abwechseln. Empfehlenswert ist nur, dass die

Lösung eines Konflikts jeweils den neuen Konflikt oder das neue

Ungeklärte auslöst.

Besonderes Augenmerk sollten Sie auf das erstmalige

Gespanntwerden Ihrer Zuschauer legen – sowie auf die letzte

Auflösung eines Konflikts oder Geheimnisses.  (Da man natürlich

die Zuschauer über die gesamte Dauer der Veranstaltung in

Spannung versetzen möchte, ist das der Anfang und das Ende

des Events.) Wenn man mit Unklarheit, die es zu klären gilt,

arbeiten möchte, dann funktioniert das nur, wenn diese Klärung

für den Betrachter auch interessant ist. Mit anderen Worten: wenn

es für ihn um etwas geht. Falls sich dieses Etwas erst in der

Zukunft realisieren wird, dann ist es auch von Bedeutung, mit

welcher Stimmung der Event zu Ende geht – und eben diese

Zukunft beginnt.

Natürlich ist der dramaturgische Spannungsbogen keine

Erfindung des digitalen Zeitalters. Wir kennen ihn im Grunde seit

Aristoteles, und der hat ihn nicht erfunden, sondern nur

analytisch beschrieben. Und auch bei Corporate Events ist eine

wohldurchdachte Dramaturgie mit Sicherheit kein Novum. Neu

ist aber, wie verwöhnt die Zuschauer heute in Zeiten der

ständigen Verfügbarkeit extrem ausgefeilter linearer Medien sind.

Das macht es nicht grade leichter, die Teilnehmer in Spannung zu

versetzen.

Darin liegt allerdings auch eine Chance: Wem es mit den

richtigen Mitteln gelingt, für sein Business Event wirkungsvolle

Spannungsbögen und Energiekurven zu konzipieren und

umzusetzen, der wird aus der Masse herausstechen – und ein

Feedback bekommen, auf das viele andere vergeblich warten.

Denn zum einen ersetzt für die Deutschen der virtuelle noch

lange nicht den persönlichen Kontakt. Und zum anderen

schaffen gute Veranstaltungen auch das mitunter authentischste

Videomaterial für eine digitale Auswertung. Wie das geht, kann

man sich – besonders gelungen – bei Steve Jobs abschauen

oder auch bei vielen TED-Konferenzen.

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